Wenn sich die Führungskraft nicht regulieren kann – Selbstführung für Chef:innen

Vorwürfe, Anschuldigungen, Wut und Frust sind Alltag. Und erstaunlich viele Organisationen akzeptieren das als „Charakterfrage“ statt als massives Führungsrisiko. Wenn die Führungskraft keine Selbstregulation schafft, hat dies einen enormen Einfluss auf das Team.

In Zeiten, in denen Teams agil, resilient und eigenverantwortlich arbeiten sollen, wirkt unregulierte Führung wie ein systemischer Störfaktor. Doch seltsamerweise richtet sich der Blick selten auf die eigentliche Basis professioneller Führung: Selbstführung.

 

Unregulierte Führung – das unterschätzte Risiko

 

Wenn Führungskräfte ihre Emotionen nicht managen, wird das Team zum emotionalen Puffer. Das klingt unbequem, ist aber Realität in vielen Unternehmen:

  • Stimmung ersetzt Sachlichkeit.
  • Reaktivität ersetzt Klarheit.
  • Macht ersetzt gesunde Kommunikation.

Und genau hier beginnt der blinde Fleck: Es wird erwartet, dass Teams leistungsfähig bleiben, während sie gleichzeitig die Folgen dysfunktionaler Führung ausgleichen sollen.

 

Warum Selbstführung für Führungskräfte eine Pflicht ist

 

Eine Führungskraft, die sich selbst nicht reguliert, führt nicht. Sie reagiert. Die Auswirkungen sind absehbar:

  • reaktive statt gestaltende Teams
  • Angst-Compliance statt Engagement
  • steigende Konfliktkosten
  • sinkende Wirksamkeit
  • beschädigte Kultur

Kein Führungsinstrument, kein Training, kein agiles Framework kompensiert fehlende innere Regulation. Genau deshalb ist Selbstführung keine Kür, sondern eine Kernkompetenz.

 

 

Selbstführung als individuelle Überlebensstrategie

 

Wer in einem Umfeld arbeitet, in dem Führung unvorhersehbar reagiert, braucht drei Fähigkeiten, um mit der unregulierten Führungskraft zu funktionieren – nicht als Nice-to-have, sondern als Voraussetzung für Stabilität:

1. Emotionsregulation
Wer sie nicht beherrscht, übernimmt automatisch die emotionale Ladung der Führungskraft. Das ist der Beginn jeder destruktiven Dynamik.

2. Kognitive Sortierung
Ohne die Fähigkeit, sauber zu unterscheiden, was das eigene Thema ist und was nicht, verschwimmen Verantwortungsgrenzen. Die Folge: unklare Rollen, Schuldverschiebung, Stress.

3. Selbstabgrenzung
Nur wer Grenzen setzt, schützt sich vor dem Sog aus Vorwürfen, Frust oder impulsiven Erwartungen.

Interessant ist: Viele Menschen kennen diese Konzepte – aber sie können sie im entscheidenden Moment nicht anwenden. Denn systemisch sehen wir einige Konflikte. Selbstregulation passiert hier beim Team, anstatt bei allen.

 

 

Selbstregulation und Selbstführung startet beim Bewusstsein.

 

In meinen Führungskräfteentwicklungen ist dies ein wichtiger Bestandteil. Viele Programme bleiben in der Theorie stecken. Einsicht ohne Verhaltensänderung ist wertlos.
Deshalb arbeite ich mit zwei Hebeln, die tatsächlich Wirkung erzeugen:

 

Hebel 1: Stressverstärker sichtbar machen – und in Mikroentscheidungen übersetzen
Teilnehmende identifizieren persönliche Antreiber, die Stressreaktionen verstärken und ihre Reaktionen, sowie den Impact auf Performance und Team. Daraus entwickeln wir unmittelbare Stop-Start-Regeln, die im Alltag abrufbar sind. Keine Theorie, sondern konkrete Verhaltenssteuerung.

 

Hebel 2: Emotionsradar mit Dynamiken verknüpfen
Erkennen, was man fühlt, reicht nicht. Entscheidend ist, zu verstehen, in welcher Systemlogik man sich bewegt.
Wir analysieren typische Interaktionsmuster – Angriff, Rückzug, Überanpassung – und trainieren Alternativverhalten, das destruktive Schleifen stoppt.

Den Emotionsradar zu erkennen und dann mit kurzfristigen First-Aid Methoden zu regulieren ist enorm wichtig. First Aid Methoden können sein:

  • Atmen (Seufzeratmung)
  • Um den Block gehen, einen Tee trinken.
  • Kaltes Wasser
  • Journalling

Langfristig ist Coaching sinnig, um eine gewisse Tiefe und Transfer zu erreichen.

 

 

Genau hier entsteht echte Selbstführung: wenn Menschen im entscheidenden Moment anders handeln als bisher. Das Team verändert sich und neue Muster können Raum nehmen.

Selbstführung ist kein Wellnesskonzept und kein nettes Add-on.
Sie entscheidet darüber, wie stabil Teams arbeiten, wie wirksam Führung wirkt und wie eine Organisation langfristig performt.

 

 

Weiterführende Folgen und Artikel:

 

  1. 5 Tipps der Wertschätzung für Führungskräfte
    1. Erstgespräch 20min kostenlos vereinbaren

 

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