Selbstpostionierung und Leistungsanerkennung

„Pia, warum sehen sie nicht, dass ich gut leiste und kriege keine Beförderung? Sie schätzen mich nicht wert. Ich muss das Unternehmen wechseln.“ Hast du auch das Problem, eine gute Selbstpositionierung zu schaffen und wünschst dir, dass deine Leistung anerkannt wird, sei es mit Beförderung oder Auftragserhaltung.

Die obige Frage habe ich in ähnlicher Form schon oft gehört, in Erstgesprächen, in Coachings, manchmal auch zwischen Tür und Angel nach einem Training.

Meistens sitzt dann jemand vor mir, der seit Jahren zuverlässig liefert, der Projekte zu Ende bringt, auf den sich das Team verlassen kann, und der trotzdem das Gefühl hat, übersehen zu werden. Und ich verstehe diesen Frust total. Es fühlt sich ungerecht an, wenn man das Gefühl hat, die eigene Leistung müsste doch für sich selbst sprechen.

Genau das ist aber leider nicht die Lösung. Gute Arbeit allein reicht nicht aus, um beruflich weiterzukommen. Das klingt hart, ist aber die ehrlichste Sache, die ich dazu sagen kann. Beförderung, ein besserer Rollenfit, mehr Gehalt, all das passiert nicht automatisch, nur weil jemand liefert. Es passiert, wenn Führungskräfte und Entscheider verstehen, was jemand konkret bewirkt hat, und das müssen wir aktiv sichtbar machen.

Was ich in meiner Arbeit als systemischer Coach und Trainerin immer wieder beobachte, ist ein bestimmtes Muster. Vor allem Menschen mit mehr Bescheidenheit, Introversion, niedriger Dominanz und hoher Verträglichkeit, also Facetten, die wir zum Beispiel im Rahmen von Persönlichkeitsmodellen wie den Big Five betrachten, tun sich schwerer damit, sich sichtbar zu positionieren. Das deckt sich auch mit der Forschung von Judge und Kollegen, die in einer viel zitierten Studie aus den 1990er Jahren gezeigt haben, dass Extraversion und selbstbewusstes Auftreten mit Gehaltsentwicklung und Karriereerfolg zusammenhängen. Das heißt nicht, dass introvertierte oder bescheidene Menschen weniger leisten, im Gegenteil. Es bedeutet nur, dass Sichtbarkeit im Berufsleben eben auch eine Kompetenz ist, die belohnt wird, unabhängig davon, wie viel tatsächlich geleistet wurde.

🤯 Drei Dinge, die uns dabei im Weg stehen

 

  1. Der erste Punkt ist ein Glaubenssatz, den viele von uns tief verinnerlicht haben. „Leistung spricht für sich selbst“ klingt integer und anständig, ist aber oft genau der Grund, warum Menschen jahrelang übersehen werden und irgendwann sogar ausbrennen. Sichtbarkeit ist kein Charakterzug, den man entweder hat oder nicht hat, sondern eine Fähigkeit, die sich lernen lässt, und die überhaupt nichts mit Angeberei zu tun hat. Der alte Spruch „Tue Gutes und rede darüber“ darf ruhig geübt werden, wie jede andere Fähigkeit auch.
  2. Der zweite Punkt betrifft die eigene Klarheit über den eigenen Beitrag. Die meisten Menschen können sehr gut beschreiben, was sie getan haben. Viel schwerer wird es bei der Frage, was sich durch diese Arbeit konkret verändert hat. Ohne eine Antwort auf diese Frage hat man kein Argument in der Hand, sondern nur eine Tätigkeitsbeschreibung. Deshalb empfehle ich in Coachings immer, alle Erfolge aufzuschreiben und dabei genau zu benennen, wobei sie dem Unternehmen konkret geholfen haben. Das darf auch eine kleine Sache sein, denn oft sind es gerade die kleinen, aber wirksamen Beiträge, die im Alltag untergehen.
  3. Der dritte Punkt ist vielleicht der unbequemste. Viele Menschen finden Selbstdarstellung grundsätzlich unangenehm und reagieren fast automatisch mit einer inneren Ablehnung, wenn andere sich selbstbewusst präsentieren. Wer andere dafür verurteilt, sich sichtbar zu machen, hält am Ende meistens auch sich selbst davon ab, genau das zu tun. Das ist kein Zufall, sondern ein wiederkehrendes Muster, das ich in vielen Coachings beobachte. Eine gute Frage an sich selbst kann hier sein, ob man das Verhalten anderer vielleicht deshalb verurteilt, weil es einem selbst so schwerfällt. Und wie eine positive, authentische Selbstpositionierung eigentlich für einen selbst aussehen könnte, wenn man es sich erlauben würde.

 

✅ Was wirklich hilft, um sich selbstbewusst zu postionieren

 

  • Der wichtigste Schritt ist, nicht nur zu beschreiben, was man getan hat, sondern zu benennen, was dadurch besser geworden ist. Das ist ein kleiner sprachlicher Unterschied, der aber eine große Wirkung hat, weil er aus einer Aufzählung ein echtes Argument macht. Dazu gehört auch die ehrliche Frage an sich selbst, wo man in den letzten zwölf Monaten sichtbar war und wo man sich versteckt hat, obwohl die Leistung eigentlich da war.
  • Eigene Erfolge und auch Glaubenssätze bearbeiten. Was treibt mich an: werde dir klar, was ist dein negativer Antreiber und wie könnte ich mein Haltung innerlich dazu verändern? Gibt es Alternative Gedanken wie „meine Arbeit ist wertvoll“ oder „auch wenn das Projekt noch nicht abgeschlossen ist, habe ich einen wertvollen Beitrag geleistet, der gewürdigt werden kann.“
  • Wenn der Perfektionismus einen selbst abhält, dann würde ich oft ein Coaching empfehlen, dass sich diesen Anteil mit dir anschaut, da oft unbewusste Muster und Sorgen dahinterstehen.

Der eigene Arbeitgeber darf verstehen, wozu man beiträgt und wo die eigene gute Arbeit tatsächlich wirkt. Daran darf man ihn immer wieder erinnern, und das ist keine Übertreibung, sondern gesunde berufliche Kommunikation. 🙂

Wenn du gerade selbst merkst, dass du nicht genau weißt, was dich zurückhält, oder wie du diese Kompetenz für dich stärken kannst, dann melde dich gern für ein Erstgespräch. Manchmal reicht schon ein Perspektivwechsel von außen, um den eigenen blinden Fleck zu erkennen.


 

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  1. Vertrauen und Führung
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